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Am 7. April 1767 eroberte eine burmesische Armee
die Hauptstadt Siams Ayutthaya.
Die Stadt wurde völlig zerstört und die Bevölkerung
getötet oder verschleppt. Dies ist das grosse Trauma in der
thailändischen Geschichte. Das Land war verwüstet und
führungslos. Die Menschen hungerten und Räuberbanden
beherrschten die Szenerie. Es gab jedoch noch Zentren, in denen
sich Teile der Verwaltung aufrechterhalten konnten und deren Führer
die Vorherrschaft in Siam beanspruchten. Eines dieser Zentren
befand sich in der Umgebung Phimais,
wo Prinz Theppiphit, ein Sohn König Borommakots
regierte. In Fang hatte eine Gruppe buddhistischer Mönche
die Macht an sich gerissen, die rote statt gelbe Roben trugen
und ansonsten dem Sangha entsagt hatten und sich wenig
um die Regeln des Buddha kümmerten. In Phitsanulok
hatte sich der Gouverneur zum König erklärt und in der
alten Stadt Nakhon Si Thammarat hatte sich unter dem
dortigen Gouverneur, der einer langen Linie von Herrschern entstammte,
ein weiteres funktionierendes Zentrum entwickelt. Dass die Zerstörung
Ayutthayas aber nicht zugleich das Ende der Thaikultur
bedeutete, ist besonders einem Mann zu verdanken, den schon von
seiner Abstammung her die wenigsten auf der Rechnung hatten :
General Chao Phaya Taksin. |
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1733 wurde er in Ayutthaya
unter dem Namen Sin als Sohn einer Thai und eines chinesischen
Emigranten geboren. Erzogen wurde er in einem buddhistischen Kloster.
Im Alter von sieben Jahren schickte ihn sein Vater als Page an den
königlichen Hof. Dort traf er auf einen zwei Jahre jüngeren
Pagen namens Thong Duang, mit dem er sich anfreundete.
Später gingen beide zusammen als Novizen in das selbe Kloster
und jeder von ihnen sollte eine steile Karriere in der Verwaltung
Ayutthayas machen. Thong Duang ging später
an den Hof von Ratchaburi, wo er heiratete. Sin
wurde Gouverneur der Provinz Tak, was ihm den Namen Taksin
einbrachte. 1766 zog Taksin nach Ayutthaya,
um bei der Verteidigung der Stadt zu helfen. Dort angekommen, |
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erkannte er jedoch schnell, dass die korrupten
Beamten und Militärs Ayutthayas nicht in der Lage
waren, die Stadt gegen die Burmesen zu halten. So nutzte er eine
günstige Gelegenheit und setzte sich mit etwa 500 Mann aus
der belagerten Stadt ab.
Kurz danach kam es zur Vernichtung Ayutthayas. Taksin
und seine kleine Truppe flohen zuerst nach Osten in die Gegend von
Chantaburi. Hier gab es noch funktionierende Reste der
alten Administration. Der Gouverneur von Chantaburi verfolgte
jedoch eigene Ziele und Taksin musste die Stadt erst erobern.
Taksin konsolidierte hier seine Kräfte und begann einen
erbarmungslosen Guerillakrieg gegen die burmesischen Invasoren.
Entgegen kam ihm hierbei der Umstand, dass die Burmesen nach der
Zerstörung Ayutthayas glaubten, den Widerstand der
Thai gebrochen zu haben und den Grossteil ihres Heeres zurück
nach Burma beorderten. Taksin war ein militärisches
Genie, verfügte über ein enormes Charisma und konnte die
siamesische Bevölkerung leicht von seinen Visionen überzeugen.
Finanziert wurde seine Armee in erster Linie von chinesischen Kaufleuten,
die sich ihm schon aufgrund seiner chinesischen Abstammung verbunden
fühlten.
Angespornt von seinen militärischen Erfolgen schlossen sich
ihm immer mehr versprengte Reste der ehemaligen Armee an, darunter
auch sein Freund Thong Duang und dessen jüngerer Bruder
Boonma.
Schon im Oktober 1767 gelang es Taksins
Armee Ayutthaya oder vielmehr das, was davon noch übrig
war, zurückzuerobern. Taksin verschwendete jedoch
keinen Gedanken an einen Wiederaufbau, sondern setzte den Burmesen
nach. Stattdessen liess er sich in einem strategisch günstigen
Sumpfgebiet nieder und gründete dort seine neue Hauptstadt
im heutigen Thonburi. Hier liess er sich zum König
krönen. Taksin führte eine klare Rechtssprechung ein und
er unterstützte die versprengten Flüchtlinge und Armen
mit Geldern aus der Staatskasse.
Seine beiden Freunde Thong Duang und Boonma ernannte
er unter den Namen Chao Phaya Chakri und Chao Phaya
Surasi zu Generälen und er liess ihnen bei ihren militärischen
Operationen völlig freie Hand. Taksin selbst widmete
sich innenpolitischen Themen und der Konsolidierung des neuen Staates.
Die folgenden Jahre waren geprägt von Kämpfen gegen die
Burmesen, aber auch von innenpolitischem Widerstand des alten Adels
Ayutthayas, der sich nur schwer mit Taksins unadliger
Herkunft anfreunden konnte. Die Tatsache, dass er ein Mischling
war, erleichterte seinen Stand auch nicht gerade. |
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1775 bat Kawila,
ein Regent Lampangs, Taksin um Hilfe, um die Burmesen
aus Chiang Mai
und Lan
Na zu
vertreiben. Taksin willigte ein, denn er sah hier eine
Möglichkeit, diesen wichtigen burmesischen Stützpunkt
unter Kontrolle zu bringen. Kurz darauf gelang es dem gemeinsamen
Heer unter Führung Chao Phaya Chakris tatsächlich,
Chiang Mai zu befreien.
Danach beschloss Chakri nach Osten zu ziehen, um die dortigen
Gebiete ebenfalls unter siamesische Kontrolle zu bringen. Während
sein Bruder mit einer Armee durch Kambodscha zog, eroberte Chakri
Vientiane.
Bei seiner Rückkehr in die Hauptstadt führte er in einem
Triumphzug die beiden Buddhastatuen Phra Bang und den Phra
Khaeo aus |
Vientiane mit sich. Hier erwarteten die
beiden Brüder jedoch schlechte Nachrichten, die Taksin
betrafen. Dieser hatte bei seinen Projekten stets mit dem Widerstand
der alten Adelsfamilien zu kämpfen, die ihm seine geringe Herrkunft
nicht verzeihen konnten. Unter dem enormen Druck, dem er infolgedessen
ausgesetzt war, zeigte er deutliche Persönlichkeitsveränderungen.
Aus dem zuvor als warmherzigen und milden beschriebenen Menschen
war zusehends ein Tyrann geworden, der schon kleinste Vergehen mit
drakonischen Strafen ahnden liess. Ausserdem hatte er sich in religiöse
Wahnvorstellungen geflüchtet, sich selbst zu einer Inkarnation
Buddhas erklärt und setzte nun den Sangha unter Druck,
seine Lehren zu verbreiten. Mönche, die sich weigerten, seinen
heiligen Status anzuerkennen, liess er verhaften und teilweise hinrichten.
Schliesslich schreckte er auch nicht davor zurück, eigene Familienmitglieder
hinrichten zu lassen. Kurz darauf kam es zu einer Rebellion in Kambodscha
und Chakri und Surasi machten sich auf den Weg,
den Aufstand niederzuschlagen. Unterwegs wurden sie jedoch über
einen Putsch in der Hauptstadt informiert. Sie eilten zurück,
erfuhren jedoch bei ihrer Ankunft, dass man Taksin schon
zum Tode verurteilt und hingerichtet hatte. Damit kein königliches
Blut den Boden beflecken konnte, hatte man ihn in einen
samtenen Sack eingenäht und mit einer duftenden Keule erschlagen
- noblesse oblige.
Das Volk bot Chakri daraufhin die Königskrone an und
am 6. April 1782 bestieg er als Rama
I. den Thron. Hiermit begründete er die Chakri-Dynastie,
die bis heute die Könige Thailands stellt.
Rama I. verlagerte zunächst die Hauptstadt von Thonburi
auf die andere Seite des Chao Phraya, wo die Halbinsel
Rattanakosin bessere Verteidigungsmöglichkeiten bot.
Dort befand sich auch das Dorf Ban Makok, dessen Name schliesslich
zum westlichen Namen Bangkok führen sollte. Der Grundstein
der neuen Stadt wurde am Lak
Muang gelegt. Anschliessend begann Rama I.
mit der Errichtung seiner neuen Residenz. Die auf dem Gelände
ansässigen Chinesen wurde etwas weiter nach Süden umgesiedelt
und das heutige Chinatown entstand. Der König liess
es sich nicht nehmen, weite Teile seines Palastes selbst zu planen,
wobei er sich an das Vorbild des zerstörten Palastes in Ayutthaya
hielt. Überhaupt war Rama I. sehr an der Belebung
der alten Kultur Ayutthayas gelegen, da dem Volk eine nationale
Identität fehlte. Viele Kunstschätze, die die Zerstörung
der alten Hauptstadt überstanden hatten, wurden nun nach Bangkok
gebracht und fanden dort eine neue Heimat. Auch den Sangha,
der immer noch unter den Umtrieben Taksin litt, belebte
er und sorgte für eine umfassende Bildung der Mönche.
Da mit Ayutthaya auch der grösste Teil der schriftlichen
Aufzeichnungen und Gesetze verloren gegangen war, liess Rama
I. die Gesetze neu schreiben. Er begann die Administration
zu verändern und wählte seine Regierungsmitglieder weniger
nach Abstammung als vielmehr nach Kompetenz aus. Zugute kam ihm,
dass er aus seiner Zeit als General gute Beziehungen zu fast allen
Würdenträgern hatte und ihre Stärken und Schwächen
kannte. Dass Beispiel Taksins hatte ihm gezeigt, wohin
die Isolation des Königs führen konnte und so führte
er einen Regierungsstil als "als Erster unter Gleichen"
und setzte eher auf Argumente, als auf undurchdachte Befehle, wobei
er jedoch durchaus zur Härte imstande war und Inkompetenz hart
bestrafen konnte. Ihm ging jedoch immer der Ruf voraus, absolut
fair zu handeln.
Während der Regierungszeit Ramas I. kam es wiederholt
zu Angriffen der Burmesen, die jedoch abgewehrt werden konnten. Rama
I. starb 1809 und sein Sohn Phuttaloetla
folgte ihm als Rama
II. auf den Thron. |
Phuttaloetla war in den Wirren des Krieges
gross geworden und hatte zusammen mit seinem Vater an Kämpfen
teilgenommen. Dies hatte sein Wesen geprägt und er hasste Krieg
und Gewalt. Mittlerweile waren die Burmesen an die Engländer
geraten und wurden von diesen bedrängt. Hierdurch hatten sie
kein Interesse mehr an Angriffen auf Siam, was Rama
II. natürlich sehr entgegen kam. So konnte der König
sein Augenmerk auf die Konsolidierung seines Reiches legen. Rama
II. war ein talentierter Schauspieler und Literat, der vor
allem auf kulturellem Gebiet bedeutende Beiträge leistete.
Auch leitete er eine vorsichtige Öffnung des Landes gegenüber
den europäischen Grossmächten ein. Rama II.
starb 1824. Eigentlich hätte nun sein Sohn
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Mongkut Nachfolger werden müssen, dieser
wollte jedoch lieber Mönch werden und verzichtete freiwillig
zugunsten seines Bruder Nangklao auf den Thron, den dieser
dann als Rama
III. bestieg. Dieser war vor allem ein Mann der
Wirtschaft, der sich vor seiner Thronbesteigung einen Namen als
cleverer Geschäftsmann gemacht hatte. Rama III. öffnete
den Handel weiter für die europäischen Grossmächte.
Das Beispiel Burmas hatte ihm sehr klar gezeigt, was es bedeuten
würde, auf Konfrontationskurs mit diesen zu gehen. Sein grösster
Erfolg war das Zustandekommen eines Handelsabkommen mit den jungen
USA, wodurch es ihm gelungen war, einen weiteren, neutralen Partner
ins Spiel zu bringen, den man nötigenfalls gegen die anderen
Grossmächte hätte ausspielen können. Rama III.
wird als äusserst warmherziger und freundlicher Monarch beschrieben.
Er hinterliess jedoch keinen Nachfolger und so bot man nach seinem
Tod im Jahre 1851 erneut seinem Bruder Mongkut
Thronfolge an. Dieser nahm nun an und bestieg im Alter von 47 Jahren
als Rama
IV. den Thron. Rama IV. war für
seine Zeit ein enorm fortschrittlicher Monarch. Während seiner
langen Zeit als Mönch war er viel im Lande herumgereist und
kannte so genau die Befindlichkeiten seines Volkes. Von westlichen
Missionaren hatte er viel über die Lebensart des Westens gelernt,
daneben sprach er Latein und Englisch. Dies kam ihm zugute, denn
die europäischen Grossmächte begannen nun zusehends Druck
auf Siam auszuüben. Auf seinen Reisen hatte er eine
Unzahl verloren geglaubter Kunstschätze wiederentdeckt und
nach Bangkok gebracht. Rama IV. hatte erkannt,
dass er die Unabhängigkeit seines Landes nur durch eine Öffnung
gegenüber den europäischen Mächten gewährleisten
konnte und dass er Siam als Pufferstaat zwischen Frankreich
und England etablieren musste. Um von den Grossmächten jedoch
überhaupt ernst genommen zu werden, musste das Land dringend
modernisisert werden. 1855 schloss Rama
IV. einen Handelsvertrag mit England ab. Hierdurch wurde Siam
als souveräner Staat von England und später den USA anerkannt.
Ramas IV. "Hobby" waren die Naturwissenschaften
und hier besonders die Astronomie. Er starb im Jahre 1868,
als er eine Gruppe von Astronomen in ein Sumpfgebiet führte,
um dort eine Sonnenfinsternis zu beobachten, die er selbst vorausberechnet
hatte. Dort erkrankte er an Malaria. |
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1868 bestieg Mongkuts Sohn
Chulalongkorn als Rama
V. den Thron. Er hatte neben einer klassischen
Thaierziehung auch eine europäische Erziehung genossen. Da
der neue König jedoch noch zu jung zum Regieren war, übernahm
sein Chefminister die Amtsgeschäfte. Rama V. nutzte
die Zeit, um Reisen in kolonialisierte Länder wie Indien zu
unternehmen und sich dort intensiv über die europäische
Verwaltung zu informieren. 1873 bestieg er
schliesslich den Thron Siams und leitete sofort einen äusserst
umfangreichen Reformkurs ein, der praktisch jeden Bereich des Lebens
betraf und dessen Details zu beschreiben sicherlich den Rahmen dieser
Seite sprengen würde. Hierbei ging er jedoch auch taktisch
äusserst klug vor, |
da er sich genau über die Konsequenzen seiner
Reformen bewusst war und auch wusste, dass sie in konservativen
Kreisen auf erheblichen Widerstand stossen würden. Rama
V. selbst besuchte Europa zweimal und sein höfliches und
zuvorkommendes Wesen machte ihm dort viele Freunde. Als Rama
V. am 23. Oktober 1910 starb, war Siam
Quantensprünge von dem Land entfernt, dessen Regierung er einst
übernommen hatte. Gerade der umsichtigen, aber auch radikalen
Politik Ramas V. verdankt Thailand es heute, dass es im
Gegensatz zu fast allen anderen asiatischen Staaten niemals kolonialisiert
wurde. Ramas V. Nachfolger, die alle u.a. auch in Europa
ausgebildetet worden waren, verfolgten seinen Reformkurs und die
Modernisiserungen weiter, hatten jedoch auch immer wieder mit Widerständen
der Konservativen zu kämpfen. Auf der anderen Seite hatte das
verbesserte Bildungssystem auch zur Folge, dass sich eine intellektuelle
Bevölkerungsschicht entwickelt hatte, denen manche Refomen
nicht weit genug gingen und die demokratische Verhältnisse
forderten. Die Könige waren der Demokratie zwar durchaus zugetan,
fanden den Zeitpunkt aber noch zu früh. (Die spätere Entwicklung
der thailändischen Demokratie legt nahe, dass sie hiermit auch
nicht ganz falsch lagen.) 1925 bestieg Prajadhipok
als Rama VII.
den Thron. Siam war inzwischen auch in den Strudel der
grossen Weltwirtschaftskrise geraten. Der König begann die
Ausgaben für Administration und Militär zu kürzen.
Im Land machte sich Arbeitslosigkeit breit, die gerade die Intellektuellen
betraf. Dies gab den radikalen Kräften im Land Auftrieb. |
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Am 24. Juni 1932 -Rama VII.
hielt sich gerade in seiner Sommerresidenz in Hua Hin auf-
erreichte ihn ein Telegramm, das ihn darüber informierte, dass
eine Gruppe von Beamten und Militärs, die sich in der Volkspartei
zusammengeschlossen hatten, Mitglieder seiner Familie als Geiseln
genommen hatte und nun die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie
forderte. Um Blutvergiessen zu vermeiden, blieb Rama VII.
nichts anderes übrig, als einzuwilligen.
Am 27. Juli 1932 beschlossen die demokratischen
Kräfte in Siam eine Verfassung, auf der Basis einer
konstitutionellen Monarchie. Dem König blieben nur noch repräsentative
Aufgaben. Da Rama VII. gesundheitlich ohnehin angeschlagen
war, dankte er 1935 ab, ohne einen Nachfolger zu
hinterlassen. |
Man bestimmte seinen Neffen Ananda Mahidol,
der in Heidelberg geboren worden war, nun in der Schweiz
studierte und noch nie in Siam gewesen war,unter dem Namen
Rama
VIII. zum Thronfolger. In Siam war es
inzwischen zu einer Spaltung der demokratischen Kräfte in ein
ziviles und ein militärisches Lager gekommen, die die Geschichte
des Landes noch lange Zeit nachhaltig beeinflussen sollte.1938
wurde Phibul Songkhran mit Unterstützung des militärischen
Flügels zum Ministerpräsidenten Siams gewählt.
Dieser war ein Bewunderer der deutschen Nazis und sollte eine mehr
als zwielichtige Rolle spielen.Im selben Jahr besuchte Rama
VIII. gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Bumiphol Adulyadej
sein Land und wurde begeistert von der Bevölkerung empfangen.
Er kehrte jedoch in die Schweiz zurück, um dort zuende zu studieren.
1939 liess Phibul Songkhran den Namen
Siams in "Thailand", was soviel wie "Land
der Freien" bedeutet, ändern.Auch wenn viele ihm unterstellen,
dass er hiermit nur seinem Vorbild Deutschland nacheifern wollte,
muss man doch zugeben, dass dies auch viele Vorteile für das
Land brachte. Siam, dass eigentlich der Nachfolger des
Königreiches Ayutthaya gewesen war, bestand mittlerweile
aus vielen Provinzen, die auf eine eigene, von Siam unäbhängige,
Geschichte zurückblickten. Ein Beispiel war Lan Na
im Norden, dass unter Rama V. sang- und klanglos in Siam
aufgegangen war. Der Name Siam hatte für viele dieser
Provinzen den Beigeschmack der Besatzung, unter einem neuen Namen
konnte sich jedoch eine neue nationale Identität herausbilden.
Auch der "neue" Staat wurde in die Wirren des Zweiten
Weltkrieges hinein gezogen. Phibul Songkhran verbündete
sich mit den Achsenmächten Deutschland und Japan, da er sich
hierdurch erhoffte, Gebiete zurückzubekommen, die Thailand
zuvor an england und Frankreich abgetreten hatte.. 1941
unterzeichnete Phibul einen Bündnisvertrag mit Japan.
Dies stiess jedoch auf Widerstand innerhalb seiner Regierung. Als
Phibul schliesslich den USA den Krieg erklären wollte,
weigerte sich der thailändische Botschafter Seni Pramoj,
die Kriegserklärung abzugeben. Die Folge war, dass japanische
Truppen in Bangkok einmarschierten und ihr Hauptquartier
im Oriental Hotel errichteten. Diese Besetzung beschränkte
sich jedoch auf Bangkok und die Umgebung von Kanchanaburi,
wo Tausende alliierte Kriegsgefangene unter unmenschlichen Bedingungen
gezwungen wurden, die Eisenbahnverbindung zischen den japanisch
besetzten Gebieten auszubauen. Der Film " Die Brücke am
Kwai" erinnert an dieses unrühmliche Kapitel. |
In Thailand regte sich aber auch Widerstand
gegen Phibuls Politik und gegen die Japaner, vor allem
als klar wurde, dass die Achsenmächte den Krieg nicht gewinnen
konnten. Unter Seni Pramoj hatte sich in Thailand eine
Bewegung namens Seri Thai gegründet, die die Japaner
im Untergrund bekämpfte und von den Amerikanern unterstützt
wurde. Einer dieser Amerikaner war der Architekt Jim
Thompson. 1944 wurde Phibul
gezwungen, ins Exil zu gehen und eine Gruppe unter Seni Pramoj
und Pridi Panomyong übernahm die Regierung und stellte
sich auf die Seite der Alliierten. Thailand musste in der Folge
zwar Gebiete, die es von den Japanern erhalten hatte, zurückgeben,
konnte hierdurch aber erneut seine Unabhängigkeit bewahren. |
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1945 wurde Seni Pramoj
neuer Ministerpräsident, wurde jedoch schon bald darauf von
Pridi abgelöst, der weitaus grössere Sympathien
in der Bevölkerung hatte. Pridi war eine schillernde
Figur. In der ersten Regierung war er Wirtschaftsminister. Als man
ihn jedoch verdächtigte, ein Kommunist zu sein, ging er ins
Exil, tauchte jedoch bald wieder auf und unterstützte nun Phibul
Songkhran. Als dieser jedoch das Bündnis mit den Japanern
schloss, organisierte Pridi wiederum den Widerstand.
1945 kehrte schliesslich Rama VIII. aus
der Schweiz zurück und übernahm die Amtsgeschäfte
in Thailand. Das Volk sah in ihm einen Hoffnungsträger und
war von dem ruhigen und aufmerksamen König sehr angetan.
Am 9. Juni 1946 fand man Rama VIII. jedoch
erschossen in seinen Privatgemächern vor. Noch heute sind die
Umstände seines Todes nicht aufgeklärt und es gilt in
Thailand als Tabu, darüber zu berichten, obwohl der Tod des
Königs auch heute noch Anlass zu unzähligen Spekulationen
und Theorien gibt, die von Unfall über Selbstmord bis Mord
reichen. Man verhaftete umgehend drei Leibwächter des Königs
und klagte sie an. Später wurden sie hingerichtet.
Zum Nachfolger wurde Ramas VIII. jüngerer Bruder Bhumiphol
Adulyadej bestimmt, der in der Schweiz Naturwissenschaften
studierte. Dieser wurde von der Entscheidung überrascht und
wechselte sofort die Studienfächer in Jura und Politikwissenschaften
um. Bis zum Ende seines Studiums blieb er jedoch noch in der Schweiz,
wo er die Tochter des thailändischen Botschafters in Frankreich
- Sirikit - kennen und lieben lernte.
Der Tod Ramas VIII. hatte jedoch auch für die Regierung
unter Pridi Panomyong ein Nachspiel. Pridi war
bekannt für seine Ablehnung der Monarchie und da es bei der
Aufklärung des Todes zu offensichtlichen Schlampereien gekommen
war, verdächtigte das Volk Pridi, in den Tod des Königs
verwickelt zu sein. Dieser trat daraufhin zurück und ging vorerst
ins Ausland. 1948 kam es zu einem Staatsstreich
rechter Kreise des Militärs und Phibul Songkhran kehrte
aus dem Exil zurück und wurde erneut Ministerpräsident.
Er setzte die Verfassung ausser Kraft und verfolgte eine strikt
anti-kommunistische Politik, wobei er auch die Kolonialen Bestrebungen
Frankreichs in Indochina unterstützte.
Am 28. April 1950 heirateten Bumiphol Adulyadej
und Sirikit und beide wurden am 5. Mai 1950
in Bangkok gekrönt. Bumiphol bestieg den
Thron als Rama
IX. .
Am 29. Juni 1951 übernahm die thailändische
Armee einen Schwimmbagger als Teil der Militärhilfe von den
USA. Am Rande der Übergabe gelang es einigen Offizieren Phibul
Songkhran als Geisel zu nehmen. Sie forderten von ihm die Reformierung
der Regierung. Er wurde zwar nach wenigen Tagen wieder freigelassen,
ohne eine der Forderungen zu erfüllen, seine Regierung war
jedoch angeschlagen und General Sarit Thana- |
rat zeichnete sich als neuer mächtiger
Mann ab. Phibuls antikommunistischer Kurs schuf auch in
Thailand ein Klima der Paranoia unter dem vor allem die chinesische
Bevölkerung kollektiv verdächtigt wurde, mit den Kommunisten
zu sympathisieren. Nach einem Besuch in den USA im Jahre 1955
war es jedoch gerade Phibul, der eine langsame Rückkehr
zu demokratischen Verhältnissen förderte. 1957
wurde er jedoch von Sarit Thanarat entgültig in einem
unblutigen Putsch gestürzt. 1964 starb Phibul
in Japan. Sarit Thanarat machte sofort alle demokratischen
Ansätze Phibuls wieder rückgängig. Alle
Parteien wurden verboten, die Meinungs- und Pressefreiheit aufgehoben,
die Verfassung ausser Kraft gesetzt. Oberstes Ziel sollte die wirtschaftliche
Entwicklung Thailands sein, wobei Sarit hiermit wohl vor
allem seine persönliche wirtschaftliche Entwicklung und die
weiter Kreise des Militärs meinte. Im Gegenzug für Wirtschaftshilfe
gestattete Sarit den USA die Errichtung von Militärbasen
auf thailändischem Gebiet. Als Sarit 1963
starb, wurde sein Stellvertreter Thanom Kittikachorn sein
Nachfolger.
Während des Vietnamkrieges unterstützte Thailand die Amerikaner.
Von den Militärbasen im Lande flogen die Amerikaner die verheerenden
Luftangriffe auf Vietnam, später Laos und Kambodscha. Hierdurch
erlebten Städte wie Khorat
und Udon Thani einen blühenden Aufschwung. Hierzu
gehörte auch ein kleines Fischerdorf südöstlich von
Bangkok, das zu einer Zentrale für das "Rest
& Recreation" - Programm (R&R) der Amerikaner
wurde. Der Name des Dorfes, das vorher kaum jemand kannte, war Pattaya.
Das R&R-Programm diente dazu, den Frontsoldaten Abwechslung
und Unterhaltung zu bieten, damit diese für die Dauer ihres
Urlaubes die Grauen des Krieges vergessen konnten.
Natürlich stand Sex ganz oben auf der Liste der Zer- |
Kommunismus
in Thailand
Während der 60er Jahre wurde der CIA-Agent Ralph
McGee nach Thailand entsandt, um die Ausbreitung des Kommunismus
zu untersuchen. Bislang war die amerikanische Regierung davon
ausgegangen, dass es in Thailand nur eine Handvoll kommunistischer
Guerilleros gab. Mit einer Spezialeinheit bereiste McGee
die thailändischen Provinzen und "befragte" die
Bevölkerung, was allerdings auch Folter und Mord nicht ausschloss.
Was McGee herausfand, glich einem Sprengsatz : Die kommunistische
Partei Thailands (CPT) kontrollierte weite Teile des
Landes und verfügte vor allem in der Landbevölkerung
über einen riesigen Rückhalt. Grosse Teile der Bevölkerung
wurden von der korrupten Regierung förmlich in die Arme der
Kommunisten getrieben. Dieses Ergebnis passte der amerikanischen
Regierung jedoch nicht ins Kalkül. Der neue Gegner war der
Vietcong und die Lage in Thailand war dazu angetan, die Argumente
für das Engagement in Vietnam ad absurdum zu führen.
Offensichtlich war der Kommunismus das, was weite Teile der Menschen
in Südostasien aufgrund ihrer Lebensverhätnisse schlicht
wollten. Gemäss der Devise, dass ein Problem kein Problem
ist, wenn niemand davon erfährt, verschloss die amerikanische
Regierung McGees Bericht, rüstete die Militärs
in Thailand massiv auf und stürzte sich in das Vietnamabenteuer.
Was die amerikanische Regierung jedoch damals, ebenso wie in Vietnam,
nicht verstanden hat, war die Tatsache, dass die thailändischen
"Kommunisten" niemals wirklich revolutionäre Ziele
verfolgten. In Wirklichkeit handelte es sich hauptsächlich
um Bauern, die nur soziale Gerechtigkeit forderten und Intellektuelle,
die genug von den korrupten Militärregierungen hatten.
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streuungen und in Thailand entwickelte sich eine
neue Industrie, die das Image des Landes nachhaltig prägen
sollte und noch heute prägt : die Sexindustrie.
Thanon führte den harten Kurs seines Vorgängers
zunächst fort. 1968 führte
er jedoch eine neue Verfassung ein, die zwar dem Militär
immer noch weitgehend die Macht sicherte, jedoch eine zaghafte
Hinwendung zu demokratischen Verhältnissen bedeutete. Als
sich die Regierung jedoch immer weiter zerstritt, führte
Thanon jedoch 1971 einen Putsch gegen
die eigene Regierung durch und erklärte das demokratische
Experiment für beendet. Die Verfassung wurde ausser Kraft
gesetzt, das Parlament aufgelöst und das Land unter Kriegsrecht
gestellt. Besonders an den Universitäten des Landes wuchs
der Widerstand gegen diese Massnahmen. |
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Am 14. Oktober 1973 protestierten
einige Studenten der Thammasat-Universität in Bangkok
friedlich gegen die neuen Massnahmen. Schnell schlossen sich unzufriedene
Bürger der Demonstration an und es kam zu einem Massenprotest,
in dessen Folge sich schliesslich eine riesige Menschenmenge am
Demokratie
Denkmal in Bangkok versammelte. Es kam
zu Ausschreitungen mit der Ordnungsmacht, auf die die Regierung
mit unnachgiebiger Härte reagierte. Bei den nachfolgenden Strassenschlachten
kamen etwa 350 Menschen um, Tausende wurden verletzt. Dieser Tag
ging als der "schwärzeste Tag" in die thailändische
Geschichte ein. Zum ersten Mal griff nun der König, der nie
einen Hehl aus seiner Sympathie für die demokratischen Kräfte
im Lande gemacht hatte, in |
die Politik ein. Er erlaubte fliehenden Demonstranten
die Mauern zu seinem Chitralada-Palast zu übersteigen
und dort Schutz zu suchen. Anschliessend überredete er Thanon
und Mitglieder der Militärregierung, das Land zu verlassen.
Nachdem sich die Lage wieder beruhigt hatte, richtete Rama IX.
schliesslich eine feierliche Begräbniszeremonie für die
Opfer der Unruhen auf dem Sanaam
Luang aus, eine Ehre die zuvor nur Mitgliedern
der königlichen Familie zustand.
Neuer Regierungschef wurde Sanya Dhammasak, der Direktor
der Thammasat-Universität. Dieser verkündete
am 7. Oktober 1974 eine neue Verfassung und freie
Wahlen, aus denen Kukrit Pramoj, ein strikter Demokrat
und Bruder von Seni als Chef einer linksgerichteten Regierung
hervorging. Die rechten Kreise hatten sich jedoch noch nicht
mit dieser Niederlage abgefunden. Überall machten sie nun Stimmung
gegen Linke und vermeintliche Kommunisten. Besonders unrühmlich
tat sich hierbei der Mönch Phra Kittiwuttho Bhikkhu
hervor, der das Töten von Kommunisten als verdienstvolle Tat
pries.
Am 19. September 1976 kehrte Thanon
als Mönch verkleidet zurück. Diese Nachricht löste
sofort erneute Proteste besonders unter den Studenten aus. Heute
kann man jedoch sagen, dass die Rückkher Thanons wohl
eine gezielte Provokation des Miltärs war. Hierzu gehörte
auch die Veröffentlichung eines Photos, dass angebliche Studentenführer
mit einem Bild zeigte, auf dem der Kronprinz an einem Galgen hing.
Dieses Photo wurde zwar später als Fälschung entlarvt,
schuf in der Bevölkerung jedoch Ressentiments gegenüber
den Studenten. Die Unruhe in der Bevölkerung nutzte schliesslich
eine Gruppe unter General Kriangsak Chomanand aus, um sich
an die Macht zu putschen. Zum Premierminister erklärten sie
Thanin Kraivichien, einen ehemaligen obersten
Richter, der strikter Antikommunist war und ein äusserst brutales
Regime errichtete. Am 6. Oktober 1976 überfielen
Miltäreinheiten den Campus der Thammasat-Universität,
auf dem einige Tausend Studenten friedlich gegen Thanons
Rückkehr demonstrierten. Es kam zu einem Massaker. Selbst die
Toten wurden noch verstümmelt. Unzählige Studenten und
Intellektuelle wurden verhaftet. Polizei und Militär richteten
Todesschwadronen -meist einfache Kriminelle- ein, die gezielt Jagd
auf Regimekritiker machten. In der Folge flohen unzählige Intellektuelle
auf das Land, wo sie sich der linksgerichteten PLAT ( People's
Liberation Army of Thailand ) anschlossen und einen blutigen
Guerillakrieg gegen die Regierung führten. 1977
wurde Thanin Kraivichien jedoch abgesetzt, da sein Regime
vermutlich selbst Militärs wie General Kriangsak als
zu brutal und kontraproduktiv erschien. Kriangsak machte
sich daraufhin selbst zum Premier. 1980 griffen
jedoch unerwartet demokratische Strukturen : General Kriangsak
wurde durch einen Misstrauensantrag im Parlament entmachtet und
durch Verteidigungsminister General Prem Tinsulanonda
abgelöst. Dieser trat unerwartet von seinem militärischen
Amt zurück, um die Regierung fortan als Zivilist zu leiten.
Auch in sein Kabinett berief er vornehmlich Zivilpersonen, darunter
führende Wirtschaftsfachleute. Zu dieser Zeit hatten die PLAT
und die kommunistische Partei Thailands weit über 10000 Mitglieder.
Da Prem erkannte, dass es nicht zum Nutzen des Landes sein
konnte, wenn sich weite Teile der Intelligenz im Wald versteckten,
erliess er Amnestieangebote an die Rebellen, hörte aber auch
nicht auf, diese militärisch zu bekämpfen. Da aber auch
die Rebellen kampfesmüde waren, nahmen viele die Amnestieangebote
der Regierung an und kehrten in die Gesellschaft zurück.
Am 1. April 1981 kam es zu einem Putschversuch
angeblich demokratisch gesonnener Militärs, die sich "Junge
Türken" nannten. Allgemein herrschte jedoch die Ansicht
vor, dass hier nur eine weitere Militärclique versuchte, die
Macht an sich zu reissen. Die Putschisten besetzten einige Regierungsgebäude
in Bangkok, woraufhin Prem mit der königlichen
Familie nach Khorat floh. In einer Radioansprache wandte
sich Königin Sirikit an das Volk und machte unmissverständlich
klar, dass die Putschisten nicht die Unterstützung des Königshauses
besassen, woraufhin diese schliesslich nach drei Tagen aufgaben
und aus dem Land flohen. Prem konnte die weitere Demokratisierung
Thailands fortsetzen.
Bei vorgezogenen Neuwahlen 1988 verzichtete er
jedoch auf eine weitere Kandidatur und Chatichai Choonhavan
wurde neuer Premierminister. Er wachte über die weitere Demokratisierung
und über das neue, unerwartete Wirtschaftswachstum, konnte
aber wenig gegen die ungeheure Korruption im Land ausrichten und
wollte dies wohl auch nicht.
Am 23. Februar 1991 setzte ein unblutiger Staatsstreich
unter den Generälen Sunthorn Kongsompong und Suchinda
Kraprayoon, unter dem Vorwand der Korruptionsbekämpfung
der Regierung Chatichais ein Ende. Die neuen Machthaber
setzten erneut die Verfassung ausser Kraft, lösten das Parlament
auf und erklärten das Kriegsrecht. Als "Kommitee zur Erhaltung
des nationalen Friedens" beriefen sie einen Anti-Korruptionsausschuss
ein, der sich mit dem Vermögen hochrangiger Politiker auseinandersetzen
sollte. In Wahrheit war den Generälen jedoch ein Dorn im Auge,
dass sich Chatichais Regierung wenig um die Belange des
Militärs gekümmert hatte. Vermutlich auf Druck König
Bumiphols setzte dieses Kommitee jedoch mit Ananda
Panyarachun einen hoch geachteten Diplomaten als Übergangspräsidenten
ein. Unter seiner Regierung wurde eine Verfassung verabschiedet,
die jedoch eine kontinuierliche Beteiligung des Militärs an
der Regierung vorsah. |
Bei Wahlen am 22. März 1992
wurden 11 Parteien ins Parlament gewählt, die in zwei Blöcke,
einen pro-militärischen und einen pro-demokratischen, zerfielen,
von denen jedoch keiner die Mehrheit erlangen konnte. Trotzdem übernahm
General Suchinda, nach einigen Intrigen, die Macht. Nun
begann allerdings das Volk aufzubegehren, dass endgültig genug
von den dauernden Staatsstreichen und der ständigen Einmischung
durch das Militär hatte.
Am 17.Mai 1992 demonstrierten weit über 150000
Menschen in Bangkok gegen General Suchinda. Auch
in anderen Städten, z.B. Chiang Mai und Hat Yai
kam es zu Protesten. Anführer der Demonstranten war der
Gouverneur von Bangkok, Chamlong Srimuang, ein
streng gläubiger, fast asketischer Buddhist.
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Als dieser mit einer riesigen Gruppe von Demonstranten
vor das Regierungsgebäude ziehen wollte, kam es zu blutigen
Auseinandersetzungen mit Polizei und Militär. Premier Suchinda
verhängte über Bangkok und weite Teile Thailands
das Ausnahmerecht. Zusammenkünfte von mehr als zehn Personen
wurden verboten. Als am nächsten Tag Polizei und Militär
dieses Verbot durchsetzen wollten, stiessen sie vor dem Demokratie-
Denkmal auf eine riesige Zahl von Demonstranten, die sich nicht
zerstreuen lassen wollte. Die Ordnungsmacht schoss daraufhin mit
Maschinengewehren in die Menge. Über 50 Demonstranten wurden
nach offiziellen Angaben getötet, der Rest floh in die angrenzenden,
mit Touristen überfüllten Hotels. Vor den laufenden Kameras
der Weltpresse wurrde Chamlong mit etwa 2000 weiteren Demonstranten
verhaftet. Viele der Verhafteteten wurden halbtot geprügelt.
Die übrigen Demonstranten errichteten Barrikaden und bewaffneten
sich mit Steinen und Molotowcocktails. Als dann noch bekannt wurde,
dass sich pro-demokratische Panzerverbände aus dem Norden Richtung
Bangkok bewegten, stand das Land an der Schwelle zum Bürgerkrieg. |
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Nach weiteren Tagen des Chaos trat schliesslich der
König auf den Plan. Er zitierte sowohl Suchinda als
auch Chamlong zu sich und machte ihnen eindeutig klar,
dass sie dem Wahnsinn ein Ende zu bereiten hätten. Im Fernsehen
wurde ein historisch zu nennendes Video ausgestrahlt. Es zeigte
Suchinda und Chamlong, zu den Füssen des
Königs kniend, während dieser ihnen mit den Worten: "
Wir führen Krieg im eigenen Haus ... " die Levithen las.
Der König endete mit: "Ich rate Ihnen dringend,
nicht gegeneinander zu kämpfen, sondern zusammen zu arbeiten,
um ein Ende der momentanen Gewalt zu erreichen." |
Man weiss nicht genau, warum der König drei
Tage mit dieser Aktion wartete, aber man vermutet, dass er sich
selbst des Erfolges seiner Mission nicht sicher war und erst wartete,
bis klar war, dass genug pro-demokratische Truppen bereitstanden,
um Suchinda nachhaltig zu überzeugen.
Dieser trat jedenfalls umgehend zurück und im September wurden
Neuwahlen abgehalten, bei denen erwartungsgemäss die pro
demokratischen Kräfte die Mehrheit errangen. Neuer Regierungschef
wurde der hoch geschätzte Chuan Leekpai.
So schlimm die Ereignisse vom Mai 1992 auch waren,
so nachhaltig stärkten sie das demokratische Bewusstsein
in der Bevölkerung. In der Folge gab es keine Einmischung
mehr durch das Militär.
Ab Mitte der 90er Jahre erlebte Thailand einen
beispiellosen Wirtschaftsboom und stand mit zweistelligen Wachstumsraten
deutlich an der Weltspitze. Um so tiefer kam der Fall, als amerikanische
Börsenspekulanten den Baht attackierten und dieser
rasant an Wert verlor. Dies war der Auslöser der Asienkrise
die Auswirkungen auf den gesamten asiatischen Wirtschaftsraum
hatte. Binnen Monaten verlor der Baht etwa 50 % seines
Wertes und Millionen von Anlegern ihre Ersparnisse . Massenarbeitslosigkeit
machte sich breit und grosse Teile der Bevölkerung zogen
aus den Städten zurück aufs Land, wo es zwar auch keine
Arbeit gab, aber zumindest das Leben billiger war.
Selbst heute noch, nachdem sich langsam wieder ein Aufschwung
eingestellt hat, trifft man überall auf die Ruinen der Prestigebauten,
die mangels Kapital nicht mehr weitergebaut wurden und werden.
Die Bevölkerung nennt sie zynisch "Anutsawari",
was soviel wie "Denkmal" bedeutet. Auch wenn der Auslöser
der Krise sicherlich in der Spekulation mit der Währung lag,
ist es zu simpel, die Schuld daran nur im Westen zu suchen. Man
sollte nicht übersehen, dass auch der vorherige Aufschwung
des Landes zum grössten Teil auf Pump gekauft war und eigentlich
jeder Grundlage entbehrte.
Dagegen sind sich führende Wirtschaftsexperten einig, dass
die Auflagen, die der internationale Währungsfond
(IWF) als Reaktion auf die Krise und Gegenleistung für Kredite
verhängte, gänzlich falsch waren, um die Krise, die
sich über ganz Ostasien ausbreitete, in den Griff zu bekommen
und als die Massnahmen nicht griffen, begann der IWF auch noch,
die Schuld den jeweiligen Regierungen zuzuschieben, was weitere
Investoren vernalasste, ihr Kapital aus dem Krisengebiet abzuziehen.
Lediglich Malaysia wagte es, dem IWF zu trotzen und konnte
der Krise halbwegs entgehen.
Mittlerweile ist allein der Begriff "IWF" in Asien Synonym
für die Krise und gilt beinahe als Schimpfwort. Was blieb
ist ein tiefes Misstrauen gegen den Westen, vor allem die USA,
und die internationale Finanzpolitik.
Ausländer, die früher als Investoren hoch geschätzt
waren, müssen heute hohe Auflagen erfüllen, um überhaupt
im Land bleiben zu dürfen. Auf der anderen Seite scheinen
sich die Thais nach der Krise wieder auf ihre traditionellen Werte
und Stärken zu besinnen und laufen nicht mehr blindlings
jeder Entwicklung aus dem Westen hinterher, was sich auch in einem
erstarkenden Nationalismus zeigt.
Im September 1997 wurde eine liberale Verfassung
verabschiedet, in der auch Bürgerrechte festgeschrieben wurden.
Diese Verfassung verankerte erstmals in der jüngeren thailändichen
Verfassung eine liberale Denkweise und zementierte die Trennung
von Staat und Gesellschaft, die Grundlage für eine moderne
Zivilgesellschaft.
Die Wahlen im Oktober machten Chuan Leekpai von der Demokratischen
Partei erneut zum Ministerpräsidenten. Angesichts der
wirtschaftlichen Krise übernahm dieser ein schweres Erbe
und musste einige, im Volk ungeliebte, Massnahmen vornehmen. Die
Regierung verlor schnell an Popularität. Viele meinten damals,
Chuan sei der richtige Mann zur falschen Zeit gewesen.
Am 6. Januar 2001 erlangte schliesslich die populistische
"Thai Rak Thai"-Partei unter ihrem Vorsitzenden
Thaksin Shinawatra, seines Zeichens Medientycoon und
reichster Mann Thailands, einen überwältigenden Sieg
und löste Chuan Leekpai ab. Zunächst
sah man Thaksins Wahl als Zeichen der Hoffnung, die Asienkrise
endlich zu überwinden. Doch schon bald offenbarte sich, dass
sein Führungsstil offensichtlich auf seinen Erfahrungen als
Konzernchef gründete und er dazu neigte, die thailändische
Bevölkerung als seine Angestellten zu betrachten. Zu Beginn
seiner Amtszeit musste er sich den Vorwürfen des NCCC
(National Counter Corruption Commition) wegen
Verschleierung seiner Vermögensverhältnisse stellen.
Parallelen zu den Verhältnissen in Italien drängten
sich geradezu auf. Ähnlich wie Berlusconi versuchte
auch Thaksin Druck auf die Medien auszuüben. Als
Vorwand diente ihm hierzu oftmals der "Publishing Act"
von 1941, der Zensur dann erlaubte, wenn Medienberichte
"soziale oder nationale Unruhe" heraufbeschwören
könnten.
Natürlich hatte auch der 11. September 2001
Auswirkungen auf Thailand. Die Regierung stellte sich vorbehaltlos
auf die Seite der Amerikaner und schickte auch Soldaten in den
Irak, was in der Bevölkerung nicht unbedingt grosse Zustimmung
fand.
Anfang 2003 erklärte die Regierung öffentlich
einen dreimonatigen "Krieg gegen Drogen". In den nächsten
drei Monaten wurden weit über 2000 Menschen im Zuge dieses
Feldzuges ümgebracht. Nach Angaben der Polizei handelte es
sich in den meisten Fällen um Drogenhändler, die sich
entweder ihrer Festnahme widersetzten oder von Konkurrenten umgebracht
wurden. Es fiel jedoch auf, dass auch viele Regierungskritiker
unter den Opfern waren und Zeugen bestätigten, dass einige
der Opfer von der Polizei buchstäblich hingerichtet wurden.
Diese Vorgänge liessen auch die USA und selbst die UNO aufhorchen.
Nachdem der "Krieg gegen Drogen" beendet war, erklärte
die Regierung "dem Terror" den Krieg. Neben einigen
Erfolgen gegen den internationalen Terrorismus, die es zweifelsohne
gab, gerieten jedoch immer mehr nichtregierungsnahe Organisationen
(NGOs), Oppositionelle und Umweltschützer in das Fadenkreuz
der "Terror-Ermittler". Die UNO schickte hierauf Beobachter
nach Thailand, die von einem "Klima der Angst" unter
Regierungsgegnern berichteten.
Eine besonders zweifelhafte Rolle spielte der Innenminister Purachai
Piumsombun, bei dem offensichtlich Inkompetenz auf ein fragwürdiges
Weltbild trifft.
Für Purachai haben alle gesellschaftlichen Probleme
vier Ursachen : Drogen, Prostitution, Homesexualität und
Ausschweifungen der Jugend, wobei allein schon die Zusammenstellung
jedem modernen zivilisierten Denken widerspricht. Um diese Übel
zu bekämpfen, propagierte Purachai die "neue
soziale Ordnung", wobei vor allem die Jugend im Visier liegt.
Für Jugendliche unter 18 Jahren besteht seit März
2004 ein Ausgehverbot ab 22:00. Schüler müssen
immer, auch in ihrer Freizeit, ihre Schuluniformen tragen (!!!!)
und sie müssen sich regelmässigen Urintests unterziehen.
Die Wiedereinführung der Prügelstrafe ist so gut wie
be- schlossen. Das Ganze ging soweit, dass man Jugendlichen unter
18 Jahren sogar die Handys verbieten wollte. Diese Massnahme stiess
jedoch auf den Missmut des Ministerpräsidenten. Immerhin
ist Thaksin der Besitzer der thailändischen Telekom.
Besonderes Augenmerk richtet Purachai auf die Bekämpfung
der Homosexualität, die er als "unnatürlich"
und in Thailand unüblich ansieht, wobei er eine gewisse Unkenntnis
der realen Verhältnisse und auch der thailändischen
Geschichte offenbart. Unzählige Bars werden geschlossen und
die Werbung für schwule Etablissements ist verboten. Gäste
werden mitunter erkenningsdestlich behandelt und müssen sich,
in Missachtung nicht nur der thailändischen Gesetze, sondern
auch der Menschenrechte, Zwangs-AIDS-Tests unterziehen.
All diese Massnahmen rufen jedoch nicht nur internationale Proteste
hervor, sondern erstmals schaltet sich auch der König wieder
in die aktuelle Tagespolitik ein, indem er die Massnahmen der
Regierung öffentlich missbilligt.
Das Verschweigen der Hühnergrippe, die schon Ende Oktober
2003 in einigen Gebieten Thailands ausbrach, seitens
der zuständigen Ministerien, schädigte nachhaltig den
Ruf Thailands. Ende 2003 kam es schliesslich
in den südlichsten Provinzen Thailands zu Anschlägen
muslimischer Separatisten, auf die die Regierung mit Härte
und der Ausrufung des Kriegsrechtes reagierte. Seitdem vergeht
kaum ein Tag ohne Tote auf beiden Seiten.
Am 26.12.2004 wurde auch Thailand von dem grossen
Tsunami getroffen. Teile der Westküste wurden zerstört
und es gab Tausende Tote. Trotzdem muss man sagen, dass die Schäden
sich zumindest in Thailand in Grenzen hielten.
Trotz aller Negativschlagzeilen erlangte die Thai Rak Thai
bei den Wahlen im Februar 2005 einen überwältigenden
Sieg und Thaksin wurde im Amt bestätigt. Er sollte seine
Position jedoch nur ein weiteres Jahr behalten.
Anfang des Jahres 2006 verkaufte Thaksins
Familie ihre restlichen Anteile an dem Familienunternehmen Shin
Corp., Grundlage ihres Reichtums, an die Singapurer Anlegegesellschaft
Temasek Holdings. Der Erlös aus dem Verkauf des Aktienpaketes
betrug die riesige Summe von etwa 70 Mrd. Baht und es handelte
sich um das grösste Aktiengeschäft in der Geschichte
Thailands. Im Vorfeld des Deals waren 165 Millionen Anteilsscheine
zu einem Preis von 1 Baht pro Aktie an zwei Kinder Thaksins
verkauft worden, die sie sofort wieder, diesmal allerdings zu
einem Preis von etwa 50 Baht pro Aktie, verkauften. Der Gewinn
aus diesem Geschäft ist in Thailand steuerfrei, allerdings
legte der Handel die Vermutung von Insidergeschäften nahe.
Darüberhinaus rief der Verkauf an einen ausländischen
Investor Proteste hervor, denn immerhin beherrscht Shin Corp.
den Kommunikationsmarkt in Thailand und Kritiker sprachen von
einem Ausverkauf sensibler, nationaler Interessen.
Ironischerweise hatte Thaksin den Verkauf der Shin
Corp. schon länger geplant, um gerade seine Kritiker
des Argumentes zu berauben, er vermische nationale mit eigenen
wirtschaftlichen Interessen. Angesichts dieser, mehr als obskuren
Geschäfte, regte sich in der thailändischen Bevölkerung
der Protest. In Bangkok kam es wochenlang zu Protesten Zehntausender
und nicht wenige befürchteten ein gewaltsames Eingreifen
der Ordnungskräfte. Alles blieb jedoch friedlich. Thaksin
geriet jedoch immer mehr unter Druck und einige seiner wichtigsten
Weggefährten sagten sich von ihm los. Als immer lautere Stimmen
seinen Rücktritt forderten, erklärte er sogar, dass
er dazu jederzeit bereit wäre, wenn der König ihn selbst
darum bitte. Dies geschah jedoch nicht und die Proteste dehnten
sich aus, als Thaksin zu einer vermeintlichen List griff.
Am 24. Februar verkündete Thaksin
überraschend die Auflösung des Parlamentes und rief
Neuwahlen für den 2. April 2006 aus, die
er zu einem Referendum über seine Politik und seine Person
verklärte. Dies war insofern geschickt, da Thaksin
sich einer Stimmenmehrheit in den armen Gebieten des Issan
sicher sein konnte und wusste, dass die Opposition selbst, ausser
vielleicht in ihrer Ablehnung Thaksins, wenig Gemeinsamkeiten
hatte und viel eher heillos zerstriiten war. Die Opposition ihrerseits
lehnte die Auflösung des Parlamentes, mit dem Hinweis ab,
nicht das Parlament sei für die Krise verantwortlich, sondern
einzig und allein der Premier und kündigte an, die Neuwahlen
zu boykottieren.
Dies löste die grösste Regierungskrise in Thailand seit
dem gescheiterten Putsch von 1992 aus. Aufgrund
des Boykotts der Opposition traten zu den Neuwahlen nur Vertreter
der Thai Rak Thai an. Das thailändische Wahlgesetz
sieht jedoch vor, dass ein Kandidat in seinem Wahlkreis mindestens
20% aller Stimmen auf sich vereinigen muss, wenn er ohne Gegenkandidaten
antritt.
Auch wenn Thaksin im bevölkerunsreichen Issan
äusserst populär ist, gibt es eine grosse Reihe von
Provinzen, in denen die Thai Rak Thai nur sehr wenige
Anhänger hat, so beispielsweise den gesamten Süden des
Landes. In diesen Gegenden war es von vornherein äusserst
unwahrscheinlich, dass ein Kandidat der Thai Rak Thai
jemals die erforderlichen Stimmen bekommen konnte. Die Folge wäre,
dass diese Provinzen keinen Abgeordneten stellen könnten
und somit das Parlament nicht beschlussfähig wäre, was
wiederum erneute Wahlen zur Folge gehabt hätte usw..
Bei den Wahlen am 2. April erhielt die Thai
Rak Thai landesweit 57% der Stimmen, ein schwerer Verlust,
angesichts der regulären Wahlen ein Jahr zuvor. Allein in
Bangkok blieben über die Hälfte aller Wahlberechtigten
den Urnen fern. Dies brachte Thaksin den Unmut innerhalb
seiner eigenen Partei ein, zumal die Opposition ankündigte,
ihre Proteste fortzusetzen.
Schwer angeschlagen, verkündete Thaksin noch, ein
unabhängiges Komitee einzuberufen, dass über die Krise
des Landes und auch die eigene Zukunft beraten sollte. Dies wurde
jedoch von der Opposition abgelehnt. Am 4. April
kündigte Thaksin daraufhin öffentlich und unter
Tränen seinen Rücktritt an. Er wolle jedoch das Amt
weiter fortführen, bis über einen Nachfolger entschieden
sei.
Da bei den Wahlen kein beschlussfähiges Parlament zustande
gekommen war, griff schliesslich der König höchstselbst
ein und verlangte vom Verfassungsgericht die Wahlen für ungültig
erklären zu lassen, was dieses auch tat. Neuwahlen wurden
für den 15. Oktober anberaumt.
Thaksin wiederum schien die Ereignisse vom April
recht schnell vergessen zu haben und inszenierte sich wieder als
grosser Staatslenker. Im August gaben Sicherheitsorgane
schliesslich bekannt, ein Attentat auf Thaksin vereitelt zu haben.
Man präsentierte eine Bombe und verhaftete den Fahrer von
General Pallop Pinmanee, einem hohen Sicherheitsbeamten,
als Täter. Sehr schnell wurden jedoch auch Stimmen laut,
die meinten, diese Affäre wäre nur inszeniert, um Thaksin
Sympathiewerte zu bringen. Das Vertrauen in Thaksin hatte offensichtlich
einen Tiefpunkt erreicht. Als Thaksin ankündigte,
die geplanten Neuwahlen verschieben zu wollen, war das Mass voll.
Ende September reiste Thaksin nach New York,
um an der jährlichen UNO-Vollversammlung teilzunehmen. Am
Abend des 19. September gab es erste Meldungen
über Panzer- und Militärbewegungen in Bangkok.
Das Fernsehprogramm wurde unterbrochen und sendete plötzlich
Bilder des Königs. Sehr schnell wurde klar, dass ein Putsch
des Militärs stattgefunden hatte. Als Thaksin in
New York davon erfuhr, verschob er seine geplante Rede vor
der UNO und verhängte den Ausnahmezustand über das Land.
Er forderte das Militär auf, nichts Illegales zu unternehmen. |
In Bangkok traten derweil die Putschisten
an die Öffentlichkeit. Sie nannten sich "Administrative
Reform Council" unter Führung des Oberbefehlshabers der
Streitkräfte, General Sonthi
Boonyaratkalin. Auch bei den weiteren Putschisten
handelte es sich um Hohe Miltärs und Polizeibeamte. Sie verhängten
über das Land das Kriegsrecht und erklärten ihren Schritt
mit der "Gefahr für die Demokratie", in der das Land
schwebe. Die Putschisten traten vor den Bildern des Königspaars
auf und bekräftigten ihre uneingeschränkte Loyalität
zum König. Der 20. September wurde kurzerhand
zum freien Tag erklärt, um die Ordnung im Lande wiederherzustellen.
Sonthi selbst bestriit sämtliche Ambitionen, neuer
Regierungschef werden zu wollen, vielmehr wolle manso schnell wie
möglich eine zivile Regierung eta- |
 |
blieren, um die Macht an das Volk zurückzugeben.
Hierzu bestellte er führende Staatsbeamte und Intellektuelle
ins Militärhauptquartier, um die "neue Politik" zu
besprechen. Gleichzeitig wurde jedoch auch die Pressefreiheit eingeschränkt,
ein Versammlungsverbot erlassen und Mitarbeiter Thaksins
wurden verhaftet, wenn sie nicht vorher schon das Land verlassen
hatten. Auch Thaksins Ehefrau befand sich bereits in Singapur.
EU und UNO protestierten gegen den Staatsstreich und forderten die
unverzügliche Rückkehr zur Demokratie. Es gab jedoch auch
eine Reihe von Diplomaten, die in dem Putsch - inoffiziell natürlich
- durchaus einen notwendigen Akt sahen, um wieder stabile Verhältnisse
in Thailand herzustellen. Sehr schnell kursierten auch Gerüchte
über die Hintermänner des Putsches und stets fiel der
Name Prem Tinsulanonda, politischer Ziehvater General Sonthis,einer
der wichtigsten Berater des Königs und in Thailand eine Art
Galionsfigur der Demokratie. Das Volk verhielt sich ruhig und wartete
offensichtlich die Reaktion des Königs ab. Als dieser den Putschisten
noch in der Nacht eine Audienz gewährte, werteten viele dieses
jedoch schon als erstes Einverständnis.
Am nächsten Tag traten die Putschisten mit mehreren Erklärungen
an die Öffentlichkeit. Sie versicherten, Thaksin sei
weiterhin im Land willkommen, müsse jedoch mit juristischen
Konsequenzen für seine "politischen Fehler" rechnen.
Thaksin erklärte zunächst, umgehend nach Thailand
zurückkehren zu wollen, reiste aber stattdessen nach London,
wo eine seiner Töchter lebt und die Familie ein grosses Anwesen
besitzt.
General Sonthi erklärte, man wolle die Macht nach
zwei Wochen wieder abgeben und sei auf der Suche nach einem geeigneten,
zivilen Regierungschef. Neuwahlen sollten jedoch erst im September
2007 stattfinden, da die neue Regierung diese Zeit benötige,
um an einer neuen Verfassung arbeiten zu können.
Währenddessen blieb die Lage im Lande auffallend ruhig. Vielerorts
kam es sogar zu spontanen Freudensbekundungen. Die Soldaten wurden
mit Blumen beschenkt und gefeiert. Zumindest in Bangkok,
wo es beim letzen Militärputsch im Jahre 1991
noch zu einem Massaker gekommen war, eine Premiere ! Es gab jedoch
durchaus auch vereinzelte Proteste gegen den Coup und die Anführer
wurden, wie von den Putschisten angekündigt, verhaftet.
Am 21. September erkannte der König schliesslich
die Putschisten als neue Regierung an und forderte die Beamten und
das Volk dazu auf, ihren Anweisungen Folge zu leisten. Spätestens
jetzt war klar, dass die Ära Thaksin beendet war.
Spontane Umfragen ergaben, dass über 80% der Bevölkerung
erleichtert über den Putsch und vor allem seinen unblutigen
Ablauf waren. Selbst ausserhalb Bangkoks und in ländlichen
Regionen - Thaksins Stammland - erklärte eine Mehrheit
ihre Erleichterung über das Ende der Staatskrise, an der die
meisten Thaksin die Schuld gaben. Dieser erklärte,
vorerst in England zu bleiben, um eine "dringend benötigte
Auszeit" zu nehmen.
Am 01.10.2006 berief der "Rat für demokratische
Reform" schliesslich Surayud
Chulanont, einen weithin geschätzten Ex-General
zum neuen Ministerpräsidenten, allerdings mit der Option, ihn
wieder entlassen zu können, sollte das Land destabilisiert
werden. Ebenfalls am 01.10. wurde eine Übergangsverfassung
verabschiedet, die den Putschisten jedoch immer noch weitreichende
Befugnisse lässt.
Unterhält man sich mit Thais über die mögliche Zukunft
des Landes, werden die ansonsten unbeschwerten Thais - wenn sie
denn überhaupt mit einem Falang darüber sprechen
- gelinde ausgedrückt, nachdenklich. Meist schauen sie sich
ersteinmal um und sprechen dann im Flüsterton. Mittlerweile
hat es sich herumgesprochen, dass der König gesundheitlich
angeschlagen ist und das Land keine weiteren 50 Jahre regieren wird
und fast alle Thais verbindet die Sorge, was nach dem Tod des Königs
geschehen wird.
Der Kronprinz Vajiralongkorn ( geb. 28.7.1952
) ist im Volk unbeliebt. Dieses wünscht sich Vajiralongkorns
jüngere Schwester Maha Chakri Sirindhorn ( geb. 2.4.1955
),genannt Prathep, als neue Königin. Diese verdiente
sich schon jetzt durch ehrliche Anteilnahme und Sorge, die sie bei
ihren Reisen durch jede Provinz Thailands bewies, die Liebe und
Verehrung der Thais. Es ist jedoch mehr als unwahrscheinlich, dass
sie die Thronnachfolge antreten wird.
Es gibt jedoch eine alte Prohezeiung, dass nach dem neunten König,
also dem jetzigen, kein weiterer Chakri-König mehr
den Thron besteigen wird. Optimisten deuten dieses als Zeichen,
dass nun eine Frau den Thron besteigen wird. |
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