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Die Geschichte Angkors
beginnt mit Jayavarman
II.. Dieser war als Geisel des javanischen Königreiches
Sailendra aufgewachsen. Im Jahre 790 schickte Sailendra
den jungen Prinzen zurück nach Chenla, einem frühen
Reich im Gebiet des heutigen Kambodscha, und machte ihn dort zum
König, vermutlich in der Hoffnung, ihn leicht kontrollieren
zu können. |
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Jayavarman II. dachte jedoch
nicht daran, Statthalter von Javas Gnaden zu sein und schmiedete
heimlich Allianzen mit lokalen Fürsten und Königen.
Im Jahre 802 ernannte er sich schliesslich, in
einem hinduistichen Ritual, das er auf Java kennengelernt hatte,
zum Gottkönig ("Devaraja") und errichtete
seine Hauptstadt in Hariharalaya, dem heutigen Roluos.
Sofort begann er, sein neues Reich auszudehen und strikt zu zentralisieren.
Über die direkten Nachfolger Jayavarmans II. ist
kaum etwas bekannt. Im Jahre 877 bestieg jedoch
Indravarman I. den Thron von Hariharalaya und
mit ihm setzte eine rege Bautätigkeit ein.
Mit dem Bakong
schuf er praktisch den Prototypen eines Tempelberges und er begann
mit dem Bau des Indratataka-Barays, dem ersten grossen
Bewässerungssystem im Bereich Angkors. Indravarman
I. folgte sein Sohn Yasovarman
I. auf |
den Thron. Dieser verlegte
seine Hauptstadt nach Yasodharapura, in das Gebiet des
späteren Angkor. Seinen zentralen Tempel errichtete
er auf dem Hügel des Bakheng
und er bgann mit dem Bau des riesigen östlichen Baray.
Militärisch dehnte er das Reich bis nach Südthailand und
Laos aus. Ihm folgten nacheinander seine Söhne auf den Thron,
über deren Regierungszeit kaum etwas bekannt ist, die jedoch
offensichtlich schwache Herrscher waren, denn parallel errichtete
Jayavarman
IV. in Koh Ker einen eigenen Regierungssitz
mit zentralem Tempel. Dieses Privileg stand eigentlich nur dem König
zu und es ist klar, dass Jayavarman IV., vermutlich ein
Bruder Indravarmans I., nach Höherem strebte. So liegt
auch der Tod Isanavarmans
II., einer der beiden Brüder, im Dunkeln
und Jayavarman IV. trat die Nachfolge an. Er regierte jedoch
weiterhin von Koh Ker, etwa 80km nordöstlich von Angkor,
aus.
Nach seinem Tod bestieg sein Sohn Harshavarman
II. den Thron in Koh Ker, was offensichtlich
nicht dem Wunsch des Vaters entsprach. Die Folge waren Auseinandersetzungen
um die Thronfolge und Harshavarman II. suchte die Hilfe
seines Onkels Rajendravarman.
Als Harshavarman II. jedoch unter ungeklärten Umständen
starb, bestieg eben dieser Rajendravarman den Thron.
Er verlegte die Hauptstadt zurück in das Gebiet Angkors
und errichtete den Pre
Rup als seinen Herrschaftstempel. Rajendravarman
eroberte Gebiete zurück, die unter seinen schwachen Vorgängern
verloren gegangen waren und unter seiner Herrschaft kam es zu einem
ersten Aufblühen des Buddhismus, obwohl er selbst kein Anhänger
dieser Religion war. |
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Blüte |
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Rajendravarman
folgte sein Sohn Jayavarman
V., der sich zunächst mit Rivalitäten
anderer Prinzen konfrontiert sah. Nachdem er diese aus dem Weg geräumt
hatte, verlief seine Regierungszeit jedoch friedlich und brachte
dem Khmer-Reich eine Phase der Stabilität und des
Wohlstandes. Auch er verlegte seine Hauptstadt und errichtete als
zentralen Tempel den Ta
Keo.
Auch die Nachfolger Jayavarmans V. waren schwache Könige
und im Jahre 1002 machte ein gewisser Suryavarman
I. Ansprüche auf den Thron Angkors
geltend. Die Folge war ein achtjähriger Bürgerkrieg aus
dem Suryavarman I. als Sieger hervorging.
Obwohl auch seine Regierungszeit von internen Auseinandesetzungen
geprägt war, gelang es Suryavarman I. das Reich auszudehnen.
Er begann mit dem Bau des westlichen Barays und errichtete
den Königspalast
auf dem Gelände des späteren Angkor
Thom. Seine Regierungszeit markierte eine Zeit
der Blüte und des wachsenden Wohlstandes. Ihm folgte sein Sohn
Udayadityavarman
II. auf den Thron, der als Erbauer des Baphuon
bekannt ist. Er wiederum wurde von seinem Sohn Harshavarman
III. gefolgt, dessen Regierungszeit zunehmend
von Auseinandersetzungen mit den Cham, einem Volk aus dem
Gebiet des heutigen Vietnam, geprägt war.
In der Gegend von Khorat
war ein weiteres lokales Machtzentrum entstanden und der dortige
Führer beanspruchte unter dem Namen Jayavarman
V. ebenfalls die Regierungsmacht. Es ist unklar,
ob er die Macht in Angkor an sich riss oder ob er sich
die Macht zunächst mit Harshavarman III. teilte, jedenfalls
folgte mit Dharanindravarman
I. ein Spross der Khorat-Familie auf
den Thron Angkors und die alte Dynastie endete.
Im Jahre 1112 übernahm schliesslich ein Grossneffe
Dharanindravarmans I. die Macht und vereinigte das zerstrittene
Reich gewaltsam. Als Suryavarman
II. bestieg er den Thron in Angkor und
führte in der Folge eine Reihe von Feldzügen gegen die
Cham, die jedoch letztlich erfolglos blieben. |
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Suryavarman II. gilt als einer
der kriegerischsten Könige Angkors. Seine Regierungszeit
markiert aber auch einen kulturellen Höhepunkt in der Geschichte
Angkors. Er liess eine Reihe neuer Tempel bauen und weitere
renovieren. Sein Name ist jedoch für alle Zeit mit dem riesigen
Angkor Wat
verbunden, als dessen Erbauer Suryavarman II. gilt und
der das absolute Meisterwerk der Khmer-Architektur darstellt.
Über das Ende Suryavarmans II. ist nichts bekannt,
man vermutet jedoch, dass er im Kampf starb.
Ihm folgte sein Cousin Dharanindravarman
II. auf den Thron, über dessen Regierungszeit
ebenfalls nichts bekannt ist. Sein Nachfolger wurde Yasovarman
II., der jedoch im Jahre 1165
von einem gewissen Tribhuvanadityavarman
gestürzt wurde. |
Diese Zeit der inneren Auseinandersetzungen
nutzten im Jahre 1166 die Cham, um einen
Landangriff auf Angkor zu starten, der jedoch abgewehrt
werden konnte. Im Jahre 1177 versuchten sie es
erneut, wobei sie jedoch ihre Taktik änderten : Unterstützt
von chinesischen Seefahrern segelten sie mit einer grossen Flotte
zur Mündung des Mekong und von dort flussaufwärts
in den Tonlé Sap hinein. Am 14. Juni 1177
fielen sie plötzlich in Angkor ein, eroberten und plünderten
die verschiedenen Städte. Tribhuvanadityavarman wurde
getötet. Diese traumatische Tiefpunkt in der Geschichte Angkors,
legte jedoch auch den Grundstein für einen grossartigen Höhepunkt. |
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Jayavarman VII. |
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Ein Sohn Dharanindravarmans
II. befand sich gerade auf einem Feldzug gegen die Cham,
als er vom Tode seines Vaters und der Machtübernahme durch
Yasovarman II. erfuhr. Um den Thron geprellt, zog er sich
zurück und schmiedete heimlich Allianzen mit einer Reihe von
lokalen Herrschern. Auch die Machtübernahme durch Tribhuvanadityavarman
sass er zunächst aus. Als die Cham Angkor
übefielen, sah er eine günstige Gelegenheit. Mit einem
grossen Heer zog er gegen die Cham und fügte ihnen
eine Reihe schwerer Niederlagen zu. In einer grossen Seeschlacht
auf dem Tonlé Sap gelang es ihm schliesslich, den
Feind entgültig zu besiegen und aus Angkor zu vertreiben.
Im Jahre 1181 bestieg er als Jayavarman
VII. den Thron. |
Zunächst liess er umfangreiche
Befestigungsanlagen errichten. Ein Ergebnis sind die gewaltigen
Mauern Angkor Thoms, dass er zu seiner Hauptstadt machte.
Jayavarman VII. war wie sein Vater Anhänger des Mahayana-Buddhismus
und er machte diesen zur Staatsreligion. Ob dies einem tiefen religiösen
Bedürfnis entsprang oder ob er einfach erkannt hatte, dass
die alte Religion nach der verheerenden Niederlage durch die Cham
keine rechte Legitimation mehr besass, bleibt sein Geheimnis. Vermutlich
kam einfach eins zum anderen. Jayavarman VII. behielt
jedoch das Prinzip des Devaraja, wenn auch in abegmilderter Form,
bei. Anstelle einer hinduistischen Gottheit erklärte er Avalokitesvara,
den buddhistichen Boddhisatva des |
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grenzenlosen Mitleides,
zu seiner Schutzgottheit. Um die neue Religion zu festigen, liess
Jayavarman VII. eine Unzahl an neuen Tempeln errichten,
darunter den Preah
Khan, den Ta
Prohm und, als seinen zentralen Tempel, den
Bayon,
ein Meisterwerk der Khmer-Architektur. Charakteristisch
für die Tempel aus dieser Epoche sind die Türme, die
das milde lächelnde Gesicht Avalokitesvaras zieren.
Man geht heute davon aus, dass diese Gesichter die Züge des
Königs tragen, was durchaus seinem Selbstverständnis
als gütiger Vater seiner Nation entsprechen dürfte.
Jayavarman VII. baute das Strassensystem aus und liess,
ganz im Sinne Avalokitesvaras, überall im Reich
Hospitäler errichten. Er war jedoch auch in militärischen
Dingen überaus erfolgreich und unter seiner Regierung erreichte
das Reich der Khmer seine grösste Ausdehnung. Selbst
Reiche in Burma und auf der malayischen Halbinsel werden in Quellen
als Vasallen Angkors genannt.
Allgemein gilt die Regierungszeit Jayavarmans VII. als
Goldenes Zeitalter der Khmer. Auch heute noch geniesst
er grösste Verehrung in Kambodscha und seine Büsten
und Standbilder sind häufiger anzutreffen, als die des gegenwärtigen
Königs. Jayavarman VII. war der grösste Baumeister
Angkors und man stösst überall auf Zeugnisse
seiner Regierungszeit. Offensichtlich läutete aber auch sein
enormer Bauwahn das Ende Angkors ein, denn er brachte
das Reich an die Grenzen seiner Kapazitäten. Nachdem alle
Sandsteinvorkommen in der Umgebung aufgebraucht waren, musste
man diesen von weit her heranschaffen. Der Bau und die Instandhaltung
der Tempel verschlangen Unsummen und banden Legionen von Arbeitern,
die an anderen Stellen gebraucht wurden.
Jayavarman VII. starb 1220 und sein
Tod läutete auch das Ende des Khmer-Imperiums ein,
auch wenn es noch beinahe 200 Jahre fortbestehen sollte. |
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Niedergang |
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Von den Nachfolgern Jayavarmans
VII. besass keiner auch nur annähernd das Potential
dieses Königs. Indravarman
II. und Jayavarman
VIII. versuchten die Uhr zurückzudrehen
und den alten hinduistischen Glauben und den Devaraja-Kult
neuzubeleben. Hiervon zeugen zahlreiche Zerstörungen an den
buddhistischen Tempeln Jayavarmans VII.
Zur selben Zeit kündigten sich gravierende Umwälzungen
in Südostasien ab. Mit der Schwäche der Zentralmacht
schwand auch deren Einfluss in der Peripherie des Reiches. Auf
dem Gebiet des heutigen Thailand gab es eine Reihe von Thai-Fürsten
und Generälen, die sich zwar in der Khmer-Hierarchie
hochgearbeitet hatten, jedoch mit den autoritären Herrschaftsstrukturen
zusehends unzufrieden waren.
Im Jahre 1238 erhoben sich zwei Thaifürsten
mit Namen Khun Bang Klang Tao und Khun Pha Mung
und nahmen die Garnisonsstadt Chalieng, das heutige Si
Satchanalai, ein. Hier teilten sie ihre Armee
und während ein Teil die Khmer-Armee, die in Sukothai
stationiert war, zur Schlacht herausforderte, nahm der andere
Teil die unbefestigte Stadt ein.
Im Jahre 1249 bestieg Khun Bang Klang Tao
als Sri
Inthrathit
den Thron des neuen Königreiches Sukothai.
Sein Gefährte wurde, da er mit einer Khmer verheiratet
war, Vizekönig. Dem neuen Reich schlossen sich schnell weitere
Thai-Fürsten an. Im Jahre 1253 eroberte
die Mongolen-Armee Kublai Khans die südlichen Provinzen
Chinas und löste eine Massenflucht der dortigen Bewohner
nach Süden aus. Dort trafen sie auf ihre Verwandten, die
Thai, die die Flüchtlinge aufnahmen. So wuchs der Einfluss
der Thai immer mehr.
1279 bestieg mit Ramkamhaeng
schliesslich ein charismatischer Führer den Thron Sukothais.
Ramkamhaeng war ein militärisches Genie, dem es
gelang, dass Reich Sukothais enorm zu vergrössern,
zumeist auf Kosten des Khmer-Reiches. Auf der andren
Seite scheint er aber auch ein äusserst milder und menschenfreundlicher
Herrscher gewesen zu sein, dem das Wohl des Volkes am Herzen lag.
Auch dies ein Grund dafür, warum sich Gebiete des Khmer-Reiches
bereitwillig von den Autokraten in Angkor abwandten und
sich Sukothai anschlossen. Darüberhinaus hatte er
einen guten Draht zu den Mongolen, mit denen er Handel betrieb
und somit vor ihren Angriffen einigermassen sicher war. Stattdessen
eroberten die Mongolen 1282 das Reich der Cham
und standen nun praktisch vor der Haustür Angkors.
Das Ende Angkors wurde jedoch an anderer Stelle besiegelt.
Im Jahre 1351 gründete ein thailändischer
Prinz namens U Thong in der ehemaligen Khmer-Festung
Ayutthaya
sein eigenes Reich und ernannte sich unter dem Namen Ramathibodi
I. zum König Ayutthayas. Im Gegensatz
zu den gemässigten Herrschern Sukothais errichtete
Ramathibodi I. ein strenges Regime und übernahm
sogar Teile des Devaraja-Kultes in seine Herrschaft,
allerdings in abgemildeter, buddhistischer Form. Ayutthaya
wurde schnell zur bestimmenden Militärmacht auf dem Gebiet
des heutigen Thailand und schon im Jahre 1352
marschierten die Truppen Ramathibodis I. in Angkor
ein und machten es zu einem Vasallen. Die Machtverhältnisse
hatten sich umgekehrt.
Auch wenn die Thais nicht lange in Angkor blieben, die
Stadt war in der Folge immer wieder Ziel siamesischer Angriffe.
Gleichzeitig änderte sich aber auch die Wirtschaft der Khmer
und China rückte noch stärker in den Fokus der kambodschanischen
Wirtschaftsinteressen.
Im Norden versperrte jedoch Ayutthaya den Landweg und
Angkor war als Seehafen denkbar ungeeignet. Die Stadt
lag liegt zwar der Nähe des Tonlé Sap, dieser
ändert jedoch regelmässig mit den Jahreszeiten seine
Tiefe und Ausdehnung.
Phnom Penh wiederum, am Zusammenfluss von Mekong
und Tonle Sap gelegen, verfügt über einen Zugang
zum Meer, liegt auf der anderen Seite aber auch in unmittelbarer
Nähe zu den enormen Fischgründen des Sees und dem umliegenden
fruchtbaren Land. Daneben setzte sich etwa ab dem 14.
Jahrhundert auch in Kambodscha der Theravada-Buddhismus
durch. Das Interesse an zumeist hinduistischen Göttern geweihten
Monumentalbauten schwand also ebenfalls. So wurde Phnom Penh
immer wichtiger, während Angkor immer mehr an Bedeutung
verlor. Im 15. Jahrhundert wurde Angkor
schliesslich von Phnom Penh als Hauptstadt abgelöst.
Die meisten Tempel wurden aufgegeben und vefielen. Vergessen,
wie oft behauptet, wurden sie jedoch nie.
In den folgenden Jahrhunderten rückte Kambodscha immer mehr
ins Zentrum der Interessen der beiden lokalen Grossmächte
Siam und Vietnam, die sich das kleine Land gewissermassen als
Puffer zwischen sich hielten, jedoch ständig Einfluss ausübten.
Bei den Thais kam noch hinzu, dass sie den Khmer kulturell
sehr nahe standen. Beide Völker waren von Indien geprägt,
beide praktizierten den Theravada-Buddhismus und auch
die Sprachen besitzen grosse Ähnlchkeiten. Auch heute noch
betrachten viele Thais die Khmer als kleine Brüder, die hin
und wieder auf den richtigen Weg gebracht werden müssen. |
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1767 wurde Ayutthaya
von den Burmesen eingenommen und zerstört. Dies brachte den
Khmer jedoch nur kurzfristige Erleichterung denn mit Taksin
bestieg ein überaus ambitionierter Nachfolger den Thron Siams,
der nicht nur innerhalb kurzer Zeit die Burmesen aus Siam
vertrieb, sondern auch direkt sein Einflussgebiet in Kambodscha
ausdehnte und die Provinzen Battambang und Siem Reap
erobete. Nach seiner Ermordung folgten die Könige der bis heute
regierenden Chakri-Dynastie
auf den Thron Siams, die Kambodscha weiterhin als Puffer
zwischen sich und Vietnam ansahen. Auch die Thai-Könige zeigten
grosses Interesse an den Tempeln in Angkor. Davon zeugt
ein Modell, dass Rama
IV. im Wat
Phra Khaeo in Bangkok
aufstellen liess, um der siamesischen Be- |
völkerung diesen Schatz
"seines" Reiches zu präsentieren. Andererseits war
das Interesse wiederum auch nicht so gross, um deshalb einen Konflikt
mit Frankreich und etwa den Verlust der eigenen Unabhängigkeit
zu riskieren. 1907 wurden die von Siam
eroberten Provinzen Battambang und Siem Reap nach
"Verhandlungen" mit den Franzosen zurückgegeben.
Diese hatten im Jahre 1864 einen Protektoratsvertrag
mit dem kambodschanischen König Norodom geschlossen
und ihm die Entscheidung zur Unterzeichnung mit ein paar Kanonenbooten
erleichtert. Dies bedeutete vorerst das Ende eines unabhängigen
Kambodscha. |
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Auferstehung |
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Auch heute noch hält
sich der Mythos, die Tempel Angkors wären nach der
Verlagerung der Hauptstadt von den Khmer vergessen worden
und erst französische Forschern hätten die Ruinen zufällig
wiederentdeckt und den Khmer von den Franzosen als kuturelles
Erbe zurückgegeben. Diese Behauptung gehört ins Reich
der kolonialistischen Propaganda. Die Tempel Angkors waren
den Khmer immer bekannt und wurden nie vergessen. Der Angkor
Wat wurde beispielsweise früh zum buddhistischen Tempel
"umgerüstet" und beherbergte kontinuierlich eine
grosse Anzahl an Mönchen. Auch die Ruinen des "ruhenden
Buddha" am Baphuon beweisen eindeutig, dass einige
Tempel Angkors immer als Plätze religiöser Anbetung
gedient haben. Dass die meisten anderen Tempel verfielen, liegt
nicht an Desinteresse oder mangelndem National- oder Geschichtsbewusstsein.
Die verbliebene, nun überwiegend dem Theravada-Buddhismus
angehörige Bevölkerung Angkors hatte schlicht
und ergreifend keinen Bedarf an monumentalen Tempeln, die zu dem
noch oftmals hinduistischen Gottheiten geweiht waren. Hinzu kommt
natürlich auch die buddhistische Haltung, dass ohnehin alles
vergänglich und irgendwann dem Verfall preisgegeben ist.
Darüber hinaus dürfte die Bevölkerung angesischts
der ständigen Spannungen und Kriege in dem Gebiet wohl kaum
die Musse und noch weniger die Mittel gehabt haben, die zur Instandhaltung
der Tempel notwendig gewesen wären. |
Im Jahre 1860 hatten
die Franzosen ihr Regime im benachbarten Vietnam weitestgehend gefestigt.
Im gleichen Jahr erreichte der französische Naturforscher Henri
Mohout auf einer Reise durch Südostasien Angkor.
Mohout wird oft als erster Europäer in Angkor
bezeichnet. Auch dies ist falsch. Es gab schon frühere Berichte
portugiesischer Händler aus dem 16. Jahrhundert und
von Missionaren, die jedoch nicht beachtet wurden. In seinen Aufzeichnungen
erwähnt Mohout selbst den Bericht Vater Bouvillevaux',
eines französischen Missionars, der Angkor schon Jahre
vor Mohout besucht hatte. Mohout starb 1861
in Laos.
1864 dehnten die Franzosen ihren Einfluss auf Kambodscha
aus und machten das Land zu einem Protektorat. Frankreich wurde
von einer regelrechten |
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Asien-Euphorie erfasst,
im Zuge derer 1868 Mohouts illustrierter
Reisebericht "Voyage à Siam et dans le Cambodge"
in Frankreich veröffentlicht wurde und einen wahren Angkor-Boom
auslöste. Abenteurer besuchten die Ruinen und wer es sich leisten
konnte, liess sich ein Stück aus Angkor nach Europa
mitbringen. Zahlreiche Kunstschätze wurden zerstört oder
landeten in Museen oder privaten Sammlungen.
Glücklicherweise fanden sich jedoch auch in Europa viele Leute
mit Einfluss, die in den Tempeln nicht nur Symbole kolonialer Grösse
sahen. Schon 1899 gründete sich in Frankreich
die École française d' Extrême-Orient
(EFEO), die sich die Erforschung und Bewahrung der Anlagen zum Ziel
gesetzt hatte. Diese Arbeiten wurden erheblich vereinfacht, nachdem
die Provinz Siem Reap im Jahre 1907 von
den Thais an Kambodscha zurückgegeben wurde und nun direkt
unter französicher Kontrolle lag. Die EFEO wurde direkt
der französischen Kolonialverwaltung unterstellt und Leiter
wurde Jean Commaille.
Zunächst begann man damit die Ruinen zu katalogisieren. Anschliessend
wurden sie unter erheblichem Aufwand aus dem tropischen Wald freigelegt.
Jean Commaille selbst wurde 1916 von Plünderern
ermordet. Sein Grab befindet sich auf dem Gelände des Bayon.
Ihm folgte Henri Marchal. Dieser reiste im Jahre 1930
nach Java und lernte dort eine Restaurierungsmethode kennen,
die die Holländer am berühmten Borobudur-Tempel
erfolgreich angewandt hatten.
Bei dieser, Anastylose genannten Methode werden beim Wiederaufbau
in der Regel nur die Originalbauteile verwendet. Neue Elemente sollen
möglichst nur verwendet werden, wenn sie für den Aufbau
unbedingt erforderlich sind, z.B. aus statischen Gründen. In
diesem Falle sollten sie jedoch möglichst von Originalteilen
verdeckt sein. Nachträgliche Ergänzungen und Ausbesserungen
wiederum sollen als solche erkennbar sein. In Fällen starker
Zerstörungen sieht die Anastylose vor, dass die Ruinen
komplett auseinandergenommen, alle Teile analysiert, katalogisiert
und anschliessend, evtl. auf einem neuen Fundament, wieder zusammengebaut
werden. Der erste Tempel, der mit dieser Methode restauriert wurde,
war der Banteay
Srei. Auch heute noch findet die Anastylose-Methode
Verwendung. Dass diese Methode jedoch auch Risiken birgt, zeigte
sich beim Wiederaufbau des Baphuon. Hier hatte man fast
den gesamten Tempel auseinandergenommen, die Teile katalogisiert
und untersucht. In den Kriegswirren verschwanden jedoch die Unterlagen,
was zur Folge hatte, dass man nun auf einem grossen Haufen Steine
sass, über die man kaum noch etwas wusste. Trotzdem machte
sich ein französisches Team daran, dieses riesige Puzzle wieder
zusammenzusetzen. Die Arbeiten sind jedoch bis heute nicht abgeschlossen.
Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Tempel wiederhergestellt. Selbst
während des Zweiten Weltkrieges wurden die Arbeiten fortgesetzt.
Erst die Wirren der Indochina-Kriege, die Bombardierung Kambodschas
und das Terror-Regime der Roten Khmer stoppten die Restaurierungsarbeiten.
Bemerkenswert ist vor allem, dass offenbar selbst die Roten
Khmer Respekt vor den Tempeln hatten und sie von ihrer Zerstörungswut
weitgehend verschont blieben. Nach der Vertreibung und Zerschlagung
der Roten Khmer, dem Abzug der Vietnamesen und der Beendigung
des Bürgerkrieges normalisierte sich die Lage langsam. im Jahre
1992 wurde Angkor von der UNESCO
zum Weltkulturerbe erklärt und die Tempel, die man zuvor allenfalls
als Hintergrundbilder von Kriegsszenarien kannte, rückten erneut
ins allgemeine Interesse. 1993 fand in Tokyo
eine internationale Konferenz statt und als Ergebnis wurde das International
Coordinating Commitee (ICC) unter japanischer und französischer
Führung gegründet, dass die Restaurierungsarbeiten nun
überwacht. Dieses Kommittee beauftragte verschiedene Teams
aus verschiedenen Ländern mit bestimmten Arbeiten. So ist z.B.
das German Apsara Conversation Project mit der Restaurierung
der Apsaras am Angkor Wat und am Preah
Ko beauftragt, ein chinesisches Team baut den
Chao Say
Thevoda wieder auf, ein indonesisches Team beschäftigt
sich mit den Gopuras am Königspalast in Angkor
Thom usw.. Die kambodschanische Regierung gründete APSARA
( Authority for the Protection of the Sites and Administration
of the Region of Angkor ), eine Organisation, die für
den Schutz und Erhalt der Tempel und für die Koordinierung
der Restaurationsarbeiten zuständig ist.
Heute gehört Angkor zu den wichtigsten Touristenzielen
in Asien. |
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